Gewaltfreie Kommunikation und Mediation in Kenia

 Problemstellung in Kenia:

 

Seit seiner Unabhängigkeit von England liegen verschiedene Ethnien Kenias in ständigem Konflikt,  der sich zum Teil auch in gewalttätigen Aktionen entlädt. Nahrungsmittelknappheit und Monopolisierung der Politik, aber auch hartnäckige, seit der Kindheit angehäufte Vorurteile gegen andere ethnische Gruppen und mangelnder Austausch tragen dazu bei, dass kleine Konflikte immer wieder eskalieren. Dabei geht es um Nahrung, Land oder Vieh aber auch um Wahlmanipulation, Meinungsfreiheit oder schlicht die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe. 

 

Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation IBAN DE64 5085 0150 0000 7325 08

 

 

Lösungsansatz der Gewaltfreien Kommunikation:

 

Ein zentrales Problem, das in vielen der Konflikte in Kenia vorliegt, ist der Mangel an Respekt oder Wertschätzung, den sich die einzelnen ethnischen Gruppen entgegenbringen. Das bedeutet, dass andere Ethnien als minderwertig betrachtet werden. Ihnen wird ohne strafrechtliche Verfolgung das Land oder das Vieh abgenommen, sie werden vertrieben oder sogar getötet. Einen Lösungsansatz dafür bietet die Gewaltfreie Kommunikation und darauf basierende Mediation.

 

Auf Seminaren werden gezielt Techniken erlernt, die das Eskalationsrisiko zwischen den Ethnien deutlich verringern. Im Mittelpunkt steht dabei die Begegnung zwischen Vertretern verschiedener Ethnien, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich gegenseitig als Menschen kennen zu lernen. Zusammen mit den neutralen MediatorInnen der „Gewaltfreien Kommunikation und Mediation in Kenia“, die als Außenstehende keine Partei ergreifen, werden vergangene Konflikte nach den GFK-Methoden bearbeitet. Dabei werden die Teilnehmer angeleitet, zunächst möglichst neutral und wertfrei zu formulieren, was geschehen ist und im zweiten Schritt, wie sie sich dabei gefühlt haben. Der dritte Schritt besteht darin, zu abstrahieren, welches übergeordnete Bedürfnis durch das Geschehene nicht befriedigt wurde.  In einem weiteren Schritt überlegen sie gemeinsam, wie dieses Bedürfnis in Zukunft erfüllt werden kann. Im letzten Schritt formulieren die am Konflikt Beteiligten Wünsche oder Bitten um weiteren Konflikten vorzubeugen  und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Dabei stellt sich häufig heraus, dass beide Parteien dieselben oder ähnliche Bedürfnisse befriedigen wollten. Beispielsweise das Bedürfnis nach Nahrung, um nicht Hunger leiden zu müssen, das Bedürfnis nach Sicherheit oder das Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Auf dieser Grundlage entsteht zwischen den Seminarteilnehmern eine Bindung. Feindbilder und Vorurteile bewahrheiten sich nicht im engeren Austausch. Die Seminarteilnehmer erkennen die jeweilige Integrität an und suchen im Idealfall gemeinsam nach Lösungen, um ihre Bedürfnisse nach Nahrung oder Sicherheit zu sichern.

Durch Wiederholungen der Seminare im Jahresrhythmus stellen die Mediatoren sicher, dass das Gelernte auch wirklich in der Praxis zur Versöhnungsarbeit genutzt werden kann. Nach etwa drei Jahren sind die Seminarteilnehmer dann selbst in der Lage, Versöhnungsarbeit zu leisten und die erworbenen Techniken weiterzugeben. Durch Interviews und Fragebögen, die den Seminarteilnehmern in regelmäßigen Abständen ausgeteilt werden, wird die Qualität der Arbeit auch langfristig geprüft und gesichert.

 

Projektarbeit in der Vergangenheit:

Seit 2007 sind die MediatorInnen der „Gewaltfreien Kommunikation und Mediation“, namentlich vor allem Dr. med. Irmtraud Kauschat, Christiane Welk und Jan van Koert, jedes Jahr etwa einen Monat lang, konzentriert auf die Monate Juli und August, vor Ort. Dabei wird auf zwei Ebenen gearbeitet.

Auf den Inseln Mfangano und Rusinga im Viktoriasee werden lokal GFK-Trainings für Interessierte angeboten. Dabei haben sich feste Übungsgruppen gebildet, die immer wieder zusammenkommen um ihr Wissen zu vertiefen. Hier stehen die Konfliktprävention und der Umgang mit kleineren Konflikten zwischen identifizierbaren Individuen im Mittelpunkt. In aller Regel sind die Bedürfnisse, die hier befriedigt werden sollen, fundamental. Es geht um häusliche Konflikte und Nachbarschaftskonflikte z.B. dass freilaufende Kühe oder Ziegen Mais oder Gemüse der Nachbarn fressen.  Außerdem werden immer wieder Konflikte behandelt, die in den einzelnen Gruppen auftreten, z. B. wenn jemand seinen Mitgliedsbeitrag nicht bezahlt, vermeintlich Geld veruntreut wird usw.

In Nairobi oder Rusinga, aber auch auf Mfangano werden Trainings für Multiplikatoren, also Personen mit weitreichendem Einfluss, wie Lehrer, Pfarrer oder Führungspersonen aus CBOs (community based organizations) aus allen Teilen Kenias angeboten. Hier werden auch vergangene oder noch aktive Konflikte zwischen Ethnien analysiert. Ein großes Thema war etwa die Wahl von 2007, in der es insbesondere im Rift Valley zu großen Ausschreitungen kam, oder die ständigen Konflikte der Pastoralnomaden im Norden des Landes, bei denen es Brauch ist, sich durch das Töten von Menschen anderer Ethnien und das Stehlen von Vieh einen Namen zu machen, um  eine besonders schöne oder wohlhabende Frau zu heiraten.

Diese Konflikte reichen häufig tiefer und werden unter anderem auch von Waffenhändlern oder korrupten Beamten immer wieder angestachelt, was die Lösung schwieriger, aber nicht unmöglich macht. 2012 beispielsweise ist es den Mediatoren gelungen, erfolgreiche Versöhnungsarbeit in einer Gruppe von verfeindeten Kriegern zu leisten, von denen jeder mindestens vier Menschen der jeweils anderen Ethnie getötet hatte. Dies gelang auch durch die Analyse von Bedürfnissen. Dabei stellte sich heraus, dass beide Seiten ein Bedürfnis nach Nahrung für sich und ihre Familien sowie für das Vieh, Gemeinschaft in Form einer Familie und Sicherheit, aber auch ein Bedürfnis nach Ruhm haben. Ersteres kann dadurch erfüllt werden, dass es keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr gibt und Handel wieder möglich ist, letzteres wird dadurch gelöst, dass die Teilnehmer sich nun als Friedensbotschafter (Peace Ambassadors) einen Ruf erschaffen wollen.            

Mehr Info´s zu den Kenia Aktivitäten in den beiden Newslettern

Newsletter 2009
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Newsletter 2010
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